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Adulte Dermatomyositis: Hochdosis-IVIG zeigt klinischen Nutzen

In Heidelberg wurde eine kleine Fallserie zu hoch dosiertem IVIG bei schwerer Dermatomyositis veröffentlicht. Drei Patient:innen mit sehr unterschiedlichen Verläufen profitierten deutlich von wiederholten IVIG-Infusionen (typisch 2 g/kg über 2–5 Tage). Die Haut- und Muskelsymptome besserten sich schnell, und die Therapie wurde gut vertragen.

IVIG („intravenöses Immunglobulin“) ist ein gereinigtes Antikörperpräparat aus Spenderplasma, das über mehrere Stunden als Infusion gegeben wird. Es wirkt regulierend auf das Immunsystem und wird bei Dermatomyositis oft in Zyklen von 2 g/kg alle vier Wochen eingesetzt – mit vorsichtig gesteigerter Infusionsrate und engmaschiger Überwachung.

Die Beobachtungen aus Heidelberg passen zu den bisherigen Daten: Die große Phase-III-Studie ProDERM hatte bereits gezeigt, dass IVIG bei erwachsener Dermatomyositis wirksam ist und insgesamt ein günstiges Sicherheitsprofil hat. Neben Haut- und Muskelsymptomen zeigten ergänzende Analysen auch Verbesserungen bei weiteren Beschwerden, zum Beispiel Lungen- oder allgemeinen Krankheitssymptomen.

Für Erwachsene besteht in der EU und den USA eine formale Zulassung (z. B. Octagam® 10 %). Für die juvenile Dermatomyositis gibt es dagegen keine eigene Zulassung; IVIG wird dort je nach Schweregrad in spezialisierten Zentren off-label eingesetzt.

Wichtig bleibt das Vorsichtsprinzip: IVIG ist eine Hochdosis-Immuntherapie. Thrombosen sind selten, aber möglich. Deshalb werden eine langsame Infusion, gute Flüssigkeitszufuhr, sorgfältige Risikoabwägung und angepasste Impfintervalle empfohlen.

Insgesamt stärkt die Kombination aus Studiendaten und der Heidelberger Fallserie den Stellenwert von IVIG bei schweren oder schwer behandelbaren Dermatomyositis-Verläufen.

Brain Fog: Erste klar messbare biologische Marker

Bei Long COVID mit Brain Fog verdichten sich die biologischen Hinweise. Ein Team der Michigan State University und Corewell Health verglich Betroffene mit vollständig Genesenen und fand messbare Unterschiede in Blutwerten: Brain-Fog-Patient:innen hatten niedrigere NGF-Spiegel (Nerve Growth Factor) und häufiger erhöhte IL-10-Werte. Diese Muster sprechen für anhaltende Entzündungsprozesse im Nervensystem und eine eingeschränkte Stressanpassung des Gehirns.

Für Autoimmunerkrankungen ist das interessant, weil ähnliche Immunmechanismen auch bei SLE, Sjögren und anderen Erkrankungen eine Rolle spielen. Kognitive Beschwerden sind dort ebenfalls seit Langem bekannt.

Die Ergebnisse ersetzen keine Diagnose, stärken aber die Nachweisbarkeit von Brain Fog durch objektive Marker und zeigen mögliche Ansätze für zukünftige Therapien.

Trotz noch offener Fragen, wie etwa kleine Studiengruppen und die Notwendigkeit weiterer Bestätigung, unterstützt die Arbeit die biologische Grundlage von Brain Fog und rückt die Diskussion weg von rein „subjektiven“ Beschwerden hin zu klarer messbaren Veränderungen.


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Quellen ansehen

https://acrabstracts.org/abstract/efficacy-of-intravenous-immunoglobulin-octagam-10-on-pulmonary-manifestations-in-patients-with-dermatomyositis-results-from-the-proderm-study

https://cdn.fortunejournals.com/articles/successfully-treatment-of-dermatomyositis-with-highdose-intravenous-immunoglobulin-therapy.pdf

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0315486

https://www.technologynetworks.com/proteomics/news/biomarkers-reveal-neurological-basis-for-long-covid-399709

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