Ich sitze auf der Bettkante und halte kurz den Atem an. Der Schmerz zieht sich wie ein heißer Draht durch meinen Körper. Automatisch greife ich dorthin, wo es am stärksten ist.
Vielleicht ist da ja diesmal etwas zu sehen. Eine Schwellung. Ein Fleck. Irgendein Hinweis darauf, dass es wirklich weh tut.

Ich drehe den Arm, beuge mich nach vorn, betrachte meine Haut im Spiegellicht.
Aber da ist nichts.
Kein Anzeichen dafür, wie sehr es brennt, drückt, zieht oder sticht. Nur ein Körper, der unversehrt wirkt.

Für einen Moment bin ich wieder dieses Mädchen von früher.
Die, die im Wartezimmer saß, still, mit verkrampften Händen.
Die, die gehofft hatte, jemand würde den Schmerz sehen, weil sie selbst es nicht konnte.
Die, die Beweise suchte, während Ärzte sagten: „Da ist nichts.“

Damals dachte ich, wenn man nur laut genug leidet, muss es doch jemand hören.
Heute weiß ich: Unsichtbarer Schmerz schreit auf eine andere Weise – leise, aber dauerhaft.

Und doch ertappe ich mich manchmal immer noch dabei, wie ich suche.
Nach einem Zeichen. Nach einem Fleck. Nach einem „Beweis“.

Barrierefreiheits-Menü