Focus: Attestpläne

Im Juli 2026 durfte ich mit FOCUS Online über die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung sprechen und darüber, was das für chronisch erkrankte Menschen bedeuten kann.

Was nach einer kleinen bürokratischen Änderung klingt, kann für Betroffene eine enorme zusätzliche Belastung sein. Während eines Schubs oder einer akuten Verschlechterung ist selbst der Weg in eine Arztpraxis manchmal kaum möglich.
Für mich geht es dabei vor allem um Teilhabe am Arbeitsleben. Flexible Lösungen wie Homeoffice und die Möglichkeit einer telefonischen Krankschreibung können dazu beitragen, dass chronisch erkrankte Menschen überhaupt langfristig arbeiten können.
Wer solche Möglichkeiten abschafft, riskiert nicht weniger, sondern möglicherweise sogar mehr Ausfallzeiten.

Hier die größten Argumente die mir bisher dazu begegnet sind:

Die Zahl der Krankmeldungen ist in den letzten Jahren gestiegen.
Korrekt. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass die telefonische Krankschreibung dafür verantwortlich ist. Eine 2025 veröffentlichte Analyse zeigte, dass unter 1,5 % der AU-Bescheinigungen telefonisch ausgestellt wurden.

Mit dem richtigen Arzt oder Arbeitgeber kann man es auch so regeln.
Natürlich gibt es Ärzte und Arbeitgeber, die individuelle Lösungen ermöglichen. Aber Unterstützung darf nicht davon abhängen, ob man Glück mit seinem Umfeld hat. Wenn die Verantwortung immer weitergegeben wird, besteht die Gefahr, dass am Ende gerade diejenigen durchs Raster fallen, die Hilfe benötigen.

– Man kann sich rückwirkend krank schreiben lassen
Eine rückwirkende Krankschreibung löst sie das eigentliche Problem nicht. Eine chronisch erkrankte Person müsste nach einem Schub trotzdem zum Arzt, obwohl sie diese Kraft vielleicht gerade für die Erholung oder einen vorsichtigen Wiedereinstieg ins Homeoffice braucht. Nach einem Schub kann zusätzliche Belastung aus wenigen schlechten Tagen schnell deutlich mehr machen.

Inklusion bedeutet nicht, dass Erkrankte genauso funktionieren müssen wie Gesunde. Es bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen Teilhabe trotz Einschränkungen möglich bleibt.

Links:
Zum Interview
Petition

Barrierefreiheits-Menü