„Dem Wolf hast du’s aber richtig gezeigt, der hat wirklich gelitten.“
„Noch eine Diagnose? Was für ein Mist, jetzt hast du noch eine Krankheit mehr zum Hassen.“
„Schlimm, wenn man immer gegen die Krankheit kämpfen muss.“
Sätze, die mich immer wieder zum Nachdenken bringen.
Kämpfen gegen den Wolf … ist das nicht eigentlich ein Kampf gegen mich selbst?
Ja, es ist eine Fehlfunktion IN mir, aber eben in MIR. Kein Feind, der mich von außen angreift, sondern ein Teil von mir.
Den Lupus habe ich nie als Feind angesehen. Schon bevor ich wusste, wie er heißt, habe ich oft mit mir selbst gesprochen. Manchmal laut vor dem Spiegel, manchmal nur in Gedanken. Ich habe versucht, meinen Körper, mich selbst, zu beruhigen.
Und als ich schließlich wusste, was diese Krankheit ist, nahm ich sie als Begleiter an.
Einen kleinen, aggressiven, bissigen Begleiter, aber dennoch einen Teil von mir. Einen Teil, der mich und manches um mich herum zwar zerstört, mir gleichzeitig aber auch einiges gegeben hat.
Ich bin Yin und Yang, Hulk und Bruce Banner, Jekyll und Hyde. Vorteil und Nachteil in einem.
Immer wieder zu hören, dass alles Böse, alles negativ sei, macht mich traurig.
Manchmal auch wütend.
Dieses Gefühl, mich immer wieder rechtfertigen zu müssen. Für mich, für uns.
Die Gesellschaft scheint nicht bereit zu sein, beide Seiten zu sehen.
Auch wenn es oft gut gemeint ist, frage ich mich immer wieder:
„Warum fragst du mich nicht, wie ich mich fühle? Warum unterstellst du mir, so zu empfinden, wie du denkst?“
Ich weiß, meine Einstellung ist nicht die, die die meisten teilen.
Aber kommt das wirklich von den Betroffenen selbst oder von der Gesellschaft?
Von einer Sprache, die unser Denken prägt: Welche uns lehrt, uns selbst zu hassen, statt uns anzunehmen.
Die uns glauben lässt, wir müssten uns bekämpfen, anstatt Frieden mit uns selbst zu schließen.
Es geht nicht darum, komplett aufzuhören zu kämpfen.
Auch nicht darum, aufzuhören zu weinen oder wütend zu sein, wenn alles wieder einmal zu viel wird.
Sondern darum, die Rolle der Krankheit im eigenen Leben zu akzeptieren.
Zu handeln, wenn es nötig ist und das Positive zu spüren, wenn es möglich ist.
Also:
Warum sollte die Krankheit nur mein Feind sein und nicht manchmal auch mein Verbündeter?
