Ist es unfair, wenn manche Patient*innen beim Arzt vorgezogen werden?

Diese Frage taucht immer wieder auf. Besonders dann, wenn Wartezimmer voll sind und einzelne Menschen schneller drankommen als andere.
Auf den ersten Blick wirkt das ungerecht.
Alle haben Termine. Alle warten. Alle haben Beschwerden.

Doch Medizin funktioniert nicht nach dem Prinzip der Gleichbehandlung, sondern nach dem Prinzip der Angemessenheit.

Nicht jede Person kann problemlos im Wartezimmer sitzen.
Für manche bedeutet das ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Für andere eine massive körperliche Belastung durch Schmerzen, Erschöpfung, Schwindel oder weitere Beschwerden.


Und für einige kann „einfach warten“ tatsächlich gesundheitlich gefährlich sein.
Bei bestimmten Erkrankungen muss das Immunsystem zur Behandlung unterdrückt werden.
Ein harmloser Schnupfen kann dann schnell lebensbedrohlich werden.

Gleichbehandlung heißt nicht automatisch Fairness.
Denn gleiche Regeln für ungleiche Voraussetzungen führen nicht zu Gerechtigkeit, sondern zu Benachteiligung.

Natürlich fühlt sich Warten frustrierend an.
Natürlich wirkt es unfair, wenn jemand schneller geht.

Aber Fairness endet nicht beim eigenen Blickwinkel.

Das Gesundheitssystem muss Prioritäten setzen.
Nicht nach Sympathie.
Nicht nach Lautstärke.
Sondern nach Risiko, Belastung und medizinischer Notwendigkeit.

Nicht alle Patient*innen sollten gleich behandelt werden.
Sie sollten passend behandelt werden.

Und ja, das fühlt sich manchmal unfair an.
Aber Unfairness entsteht nicht dadurch, dass manche geschützt werden.
Sie entsteht dann, wenn ignoriert wird, dass Menschen unterschiedlich krank sind.

Und wenn diese Aspekte von ärztlichem Personal oder anderen Patient*innen nicht beachtet werden, frage ich mich und auch dich: Ist Gleichbehandlung wirklich gerecht oder nur bequem?

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